Eine Reise durch die Zeit der Energie

Unsere Welt verändert sich mit zunehmenden Tempo. Die Chinesen haben heute einen Wandel erlebt, wie er in Europa in mehreren Jahrhunderten von statten ging. Heute kommen wir mit dem Flugzeug in 12 Stunden bis ans andere Ende der Welt, essen Fast Food, das in Südamerika produziert wird, werden ungeduldig wenn ein Freund nicht schnell genug auf unsere E-Mails oder SMS antwortet, erbauen Wolkenkratzer und künstliche Inseln und telefonieren dank Flatrate rund um die Uhr. Diese Veränderungen wurden primär durch die Nutzung fossiler Energieträger seit dem Beginn der Industrialisierung begünstigt. Doch diese Energiequellen sind endlich. Somit ermöglicht ihre Nutzung unsere Art zu leben und stellt gleichzeitig die größte Bedrohung für uns dar.

Das natürliche Gleichgewicht der Erde ist durch unsere Art zu Leben und zu Arbeiten aus dem Gleichgewicht: Durch die Verbrennung und Freisetzung großer Mengen Kohlendioxid wird ein Klimawandel in Gang gesetzt, dessen Folgen die größte Gefahr für die Menschheit darstellt. Die größte Herausforderung besteht darin, sofort handeln zu müssen. Wir können nicht warten, bis die Folgen eintreten und nicht mehr rückgängig zu machen sind.

In Deutschland wird Energie zu 12% Prozent aus Atomkraft, 13% Steinkohle, 11% Braunkohle, 23% Gas, 37% Mineralöl und 4,6% aus erneuerbaren Energien gewonnen (Stand 2005). Eine Energiewende hin zu erneuerbaren Energien ist unabwendbar. Heute wird Strom bereits zu 15 Prozent aus Sonnen-, Wasser- und Windenergie sowie Biomasse gewonnen. Doch dies allein ist nicht genug. Auch unsere Art der Energienutzung muss sich nachhaltiger gestalten. Als vor einigen Jahren eine Umfrage ergab, das viele Kinder glaubten, Kühe seien lila, musste man unweigerlich schmunzeln. Doch welches Kind weiß heute, woher der Strom aus der Steckdose kommt, den es benutzt. um an der modernen, schnelllebigen Zeit teilzuhaben?

Aus Überlegungen wie diesen ist in Alsdorf in der Nähe von Aachen ein Projekt entstanden, das es sich zum Ziel gesetzt hat, besonders junge Kinder an dieses wichtige Thema spielerisch heran zu führen. Gemeinsam mit CulturBazar, einem Verein, der sich die Förderung einer nachhaltigeren Entwicklung zum Ziel gesetzt hat, entwickelten die Erzieher in hoher Eigenverantwortung das Projekt „Zeitreise – Von der Kohle zur Sonne“. Das Thema liegt im wahrsten Sinne des Wortes vor der Haustür. Ausgangspunkt war die heimische Energiegeschichte: In der alten Bergbaustadt Alsdorf wurde noch bis 1983 Kohle gefördert. Doch wie stark das Leben vor Ort bis vor wenigen Jahrzehnten von dieser Energiequelle beeinflusst wurde, wissen die jungen Leute heute kaum noch.

Das Projekt spannte einen thematischen Bogen von der Kohle über Strom bis hin zu erneuerbare Energien und verband so ein Stück Heimatgeschichte mit einem – besonders für Kinder – abstrakten Thema wie Nachhaltigkeit. Angesprochen werden sollten dabei nicht nur die vier- bis sechsjährigen Kinder, sondern auch deren Eltern, deren Bewusstsein und Umgang mit Energie einen maßgeblichen Einfluss auf das Verständnis der Kinder haben.

Das Projekt begann mit einer Umgestaltung der Räumlichkeiten. Gemeinsam mit den Kindern wurde aus einem Feuerwehrauto im Eingangsbereich mit Pappmaschee eine Grube gebaut. Spielerisch gelang so – im wahrsten Sinne des Wortes – der Einstieg. Man ging ‚Unter Tage’, erfuhr die Enge und Dunkelheit und lernte, dass nur mit Helmen ‚eingefahren’ werden durfte. An alle Familien ging der Aufruf, das KiTa-Kohlemuseeum mit Exponaten aus der Vergangenheit zu bestücken. Zutage kam eine beachtliche Menge an Ausstellungsstücken, die von Bergmannskleidung über antike Gaslampen bis zu alten Fotos und Zeitungsartikeln reichte. Besonders die Geschichten über die Vergangenheit machten Jung und Alt gleichermaßen viel Spaß. Ein professioneller Heimatgeschichtenerzähler machte die Bergbauzeit für die Kinder mit vielen Anekdoten greifbarer.

Doch wurde die Kohle nicht nur in den Kindergarten geholt, sondern gemeinsam mit den Eltern wurde die Umgebung zu Fuß erkundet und so eine Zeitreise in die Kohlevergangenheit beschritten. Der letzte alte Förderturm wurde ebenso mit neuen Augen bewundert wie eine der zahlreichen Kohleabraumhalde im Zentrum der Stadt. Beim Besuch einer alten Kohlehandlung konnten die Kinder hautnah erleben, wie Kohle aus dem Kohlekeller herausgeholt und in Jutesäcke für den Käufer verpackt wird. Hier erfuhren sie von einem Experten, dass es neben Braunkohle auch noch Steinkohle gibt, die heute in der Regel aus England importiert wird. Eine Familie, die in einem alten Bergarbeiterhaus wohnt und dort noch mit Kohle heizt, lud die Kinder zu sich ein, um vor Ort zu erfahren, wie mit Kohle geheizt wird.

Doch was hat die Kohle mit dem Strom aus der Steckdose zu tun? Wie kann man Energie verständlich machen? Mit Hilfe von verschiedenen Experimenten, wurde ein praktischer Bezug erstellt. Mit einem selbstgebauten Treibhaus wurde die Sonnenenergie für eigene Setzlinge genutzt. Kohle wurde verbrannt und der Prozess genau beobachtet. Dank Unterstützung des Solar Instituts in Jülich, das sich mit der Erforschung und Effizienzsteigerung von Solaranlagen beschäftigt, wurde mit verschiedenen Solarkochern die Sonnenenergie direkt für die Zubereitung schmackhafter Mahlzeiten genutzt. Beim Besuch des Energieparks im Aachener Tierpark erfuhren die Kinder wie man neben Sonnenenergie den Wind und das Wasser für die Erzeugung von Strom nutzen kann.

Damit eine breite Partizipation der Eltern gewährleistet werden konnte, wurden Sie von Anfang in die Planung der Aktivitäten miteinbezogen. So bauten sie zum Beispiel mit ihren Kindern “die kleinsten Solarautos der Welt”, die dann beim Sommerfest gegeneinander antraten. An diesem Tag wurde auch als großes Highlight eine Solarküche präsentiert.

Der Kindergarten St. Mariae in Alsdorf konnte mit seiner Erfahrung mit Projektarbeit und seinem funktionierenden Team zeigen, wie viele Möglichkeiten es gibt, ein Thema wie Energie zu bearbeiten. ‚Zeitreise – Von der Kohle zur Sonnenenergie’ hat mit seinem Pilotcharakter gezeigt, dass es – eine altersgerechter Umsetzung vorausgesetzt  – durchaus möglich ist, das komplexe Themen ‘Energie’ für Kinder interessant und begreiflich zu machen.

Alle zusammengetragenen Informationen, Materialien und Umsetzungsvorschläge wurden chronologisch als eine Art Tagebuch gesammelt, und stehen allen Interessierten auf der Homepage von CulturBazar zum Download bereit. Für die Umsetzung erhielt das Projekt den Zukunftspreis der Initiative ‘Sei ein Futurist!’, der gemeinsam mit der Deutschen UNESCO-Kommission vergeben wurde.

Alle Erwachsene sind gefragt, der nächsten Generation zu helfen, schnell auf die größten Herausforderung unserer Zeit zu reagieren. Dazu gehört es Zusammenhänge und Handlungsmöglichkeiten aufzuzeigen.

Das Projekt hat gezeigt, dass alltägliche Sachverhalte wie, dass der Strom aus der Steckdose kommt, durch Aufdeckung der Hintergründe zu einem aufregenden Bildungsprojekt werden kann und dass weitere Projekte zu ähmlichen Themen folgen müssen.

Weitere Informationen finden sie unter

Startseite

http://www.kiga-st-marien.de